Vorsorgevollmacht – „Gut, dass wir hier waren“

Großer Andrang beim Info-Abend zum Thema Vorsorgevollmacht im St. Marien-Hospital

Die Themen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung bewegen auch in unserer Region viele Menschen. Zu einem Vortrag mit Dr. Angelika Menzen kamen jetzt mehr als 150 Besucher aus allen Altersstufen in das Forum des St. Marien-Hospitals Friesoythe. Der Andrang war so groß, dass etliche Interessenten im wahrsten Sinne des Wortes keinen Platz mehr fanden und die Info-Veranstaltung im Stehen verfolgten. 

Nach dem rund einstündigen Input durch die Chefärztin des St. Marien-Hospitals Dr. Angelika Menzen nutzten viele Gäste die Gelegenheit zum Nachfragen. „Was kann ich selbst tun, damit im Notfall nichts getan wird, was ich nicht möchte“ und „wie muss eine Vorsorgevollmacht inhaltlich gestaltet sein“ waren einige der Fragen, die an dem Info-Abend geduldig und ausführlich durch die Fachärztin für Intensiv- und Palliativmedizin beantwortet wurden.

„Schön, dass Sie da sind und sich für ein Thema interessieren, das für jeden früher oder später lebensentscheidend sein kann“. Dr. Angelika Menzen machte gleich zu Beginn ihres Vortrags klar, dass eine Vorsorgevollmacht aus guten Gründen schon in jüngeren Jahren erstellt werden sollte. Ein Unfall oder eine plötzliche schwere Erkrankung könne das Leben von einen Moment auf den anderen auf den Kopf stellen. Betroffene sind dann oftmals nicht mehr in der Lage, eigenständig über lebensentscheidende medizinische Maßnahmen oder persönliche Angelegenheiten zu bestimmen. „Für diesen Fall kann man mit einer Vorsorgevollmacht eine Vertrauensperson bestimmen, die entsprechende Entscheidungen übernimmt“, erklärte Dr. Menzen. In einer Patientenverfügung könne man vorab schriftlich im Detail festlegen, bei welcher konkreten Indikation lebensverlängernde medizinische Maßnahmen in Frage kommen oder nicht.  

Um sicher sein zu können, dass der Bevollmächtigte im Notfall im Sinne des Betroffenen handelt, sollten entscheidende Punkte möglichst frühzeitig in einem vertraulichen Gespräch geklärt werden. Wer in der Vorsorgevollmacht als entscheidungsberechtigte Person benannt wird, stehe jedem frei. Dies könne ebenso ein Familienmitglied wie auch ein Freund oder Lebenspartner sein, mit dem man nicht verheiratet ist. Wichtig sei nur, dass der Bevollmächtigte eindeutig benannt wird und die Vorsorgevollmacht mit Datum, Ort und Unterschrift versehen ist. Nicht zuletzt ist für die Rechtsgültigkeit entscheidend, dass der Vollmachtgeber bei der Erstellung nachweislich im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte ist.

Was passieren kann, wenn die Vorsorgevollmacht keine eindeutigen Regelungen enthält, machte Dr. Angelika Menzen an mehreren, teils tragischen Beispielen aus dem Klinikalltag klar. In einem Fall habe eine an einem schweren Schlaganfall erkrankte Patientin ihre beiden Töchter als gleichberechtigte Entscheider in ihrer Vorsorgevollmacht bestimmt. Als die Entscheidung über eine künstliche Beatmung der Mutter anstand, zeigte sich, dass die Töchter unterschiedlicher Meinung über die Anwendung lebenserhaltender Maßnahmen waren. „Die eine war dafür, die andere dagegen“, berichtete die Referentin. Für alle Beteiligten – vor allem für die schwer kranke Mutter – sei das Ganze eine schwere zusätzliche Belastung gewesen, zu der es mit einer eindeutig verfassten Vorsorgevollmacht nicht gekommen wäre. 

Am Ende der gut 90 Minuten dauernden Veranstaltung gingen viele Besucher mit dem Gefühl nach Haus, dass sie nun deutlich mehr über die Vorsorgevollmacht und die inhaltlich noch weitergehende Patientenverfügung wissen. „Am besten ist, Sie bereiten beides für den Fall der Fälle vor“, war das Fazit der Referentin. Das sahen auch mehrere Besucher so, die nach dem Vortrag noch für einen kurzen Austausch zusammenblieben: „Das war wichtig und sehr informativ. Gut, dass wir hier waren“.